Erschöpfung statt Gelassenheit - Warum Achtsamkeit die falsche Antwort auf ziemlich jede Frage ist

Erschöpfung statt Gelassenheit - Warum Achtsamkeit die falsche Antwort auf ziemlich jede Frage ist

Immer mehr Menschen strengen sich an, gelassen, achtsam und glücklich zu werden. Sehr viele sind stattdessen erschöpft, gestresst und einsam. Woran liegt das? Wie und wodurch sind wir hier in den westlichen Industriegesellschaften zu diesen gestressten, statusempfindlichen, ängstlichen, ichbezogenen, Konsument*innen geworden, die ihr eigenes Selbst permanent mit Yoga, Meditation und positiver Psychologie verbessern wollen und müssen? Warum wollen wir sonst so wenig in der Welt verbessern? Ein Podcast mit Gesprächen über den Terror der Achtsamkeit.
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Zusammenfassung der Episode

Gesundheit gilt heute als kontrollierbare Privatsache: Wersich richtig ernährt, Nahrungsergänzungsmittel nimmt, Sport treibt, meditiert, Yoga macht, ausreichend schläft und seine Körperfunktionen überwacht, bleibt – so die Überzeugung – gesund. Und wer dennoch erkrankt, hat etwas falsch gemacht.Diese Ideologie nennt sich Healthismus. In ihr gerät aus dem Blick, dass Gesundheit weit mehr ist als eine Frage des individuellen Verhaltens. Sie hängt vor allem von politischen und sozialen Faktoren ab. Ob Menschen gesund lebenkönnen, entscheidet sich an den Bedingungen ihres Alltags: Wohnraum, Arbeitsschutz, sauberes Wasser, funktionierender Nahverkehr und zugängliche medizinische Versorgung spielen eine zentrale Rolle. Darüber spreche ich mit dem Soziologen Friedrich Schorb. Eruntersucht, wie soziale und gesundheitliche Ungleichheit zusammenhängen und wie die Gesellschaft Menschen mit hohem Körpergewicht wahrnimmt und behandelt. Ein Gespräch über Selbstoptimierung, Wearables, Longevity,die Abnehmspritze und den…

Folgen

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47. Friedrich Schorb: Healthismus – Gesundheit als gesellschaftliche Obsession

Gesundheit gilt heute als kontrollierbare Privatsache: Wersich richtig ernährt, Nahrungsergänzungsmittel nimmt, Sport treibt, meditiert, Yoga macht, ausreichend schläft und seine Körperfunktionen überwacht, bleibt – so die Überzeugung – gesund. Und wer dennoch erkrankt, hat etwas falsch gemacht.Diese Ideologie nennt sich Healthismus. In ihr gerät aus dem Blick, dass Gesundheit weit mehr ist als eine Frage des individuellen Verhaltens. Sie hängt vor allem von politischen und sozialen Faktoren ab. Ob Menschen gesund lebenkönnen, entscheidet sich an den Bedingungen ihres Alltags: Wohnraum, Arbeitsschutz, sauberes Wasser, funktionierender Nahverkehr und zugängliche medizinische Versorgung spielen eine zentrale Rolle. Darüber spreche ich mit dem Soziologen Friedrich Schorb. Eruntersucht, wie soziale und gesundheitliche Ungleichheit zusammenhängen und wie die Gesellschaft Menschen mit hohem Körpergewicht wahrnimmt und behandelt. Ein Gespräch über Selbstoptimierung, Wearables, Longevity,die Abnehmspritze und den…

15 Okt. 2026
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46: Maren Busch/Birte Kruse-Gobrecht: Kein Geld, aber viel Bürokratie: Die Erschöpfung der Kommunen

Mülleimer zählen, Fördergelder beantragen und versuchen, den Laden am Laufen zu halten: Kommunen sind am Limit. Das viel zitierte "Herz der Demokratie" steht kurz vor dem Infarkt: Chronische Unterfinanzierung, wachsende Aufgaben, bürokratische Förderdschungel. Folge: Schwimmbäder und Bibliotheken schließen, Schulsozialarbeit wird gekürzt,das Internet ist langsam und wir Bürger*innen sind erschöpft. Diese Erschöpfung kann man nicht wegmeditieren. Studien zeigen: Wo kommunale Infrastruktur und Daseinsvorsorge abgebaut wird, steigt die AfD-Zustimmung. Wenn der Staat vor Ort nicht funktioniert,schwindet das Vertrauen – und rechte Parteien profitieren. Was macht die Erschöpfung der Kommunen mit unserer Demokratie? Warum erhalten Kommunen nur ein Siebtel der Steuereinnahmen und organisieren ein Viertel der staatlichen Aufgaben? Warum werden Millionen in Förderanträge und Kontrollen gesteckt, statt den Kommunen Vertrauen und freieMittel zu geben? Und was müsste sich ändern, damit Städte und Gemeinden wieder…

15 Sep. 2026
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45. Stephan Kaufmann: Antifaschistische Wirtschaftspolitik

Achtsamkeit verspricht Verbundenheit. Mit sich selbst, mit anderen, mit dem Leben. Doch ein wettbewerbliches Wirtschaftssystem beruht strukturell auf Konkurrenz, Sieg undNiederlage. Es untergräbt Verbundenheit und erzeugt Angst, Scham und Wut. Diese Gefühle nehmen vor dem Hintergrund allgemeiner Entsicherung besonders zu. Sie öffnen rechten Parteien die Tür. So behauptet sich die AfD als Protestpartei, die vonder ökonomischen Krise des Standorts lebt. Ihr wichtigstes Verkaufsargument ist das Versprechen, alles anders zu machen. Was dagegen tun? Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Vorschlag: "Antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Sie soll den Aufstieg rechter Parteien mit einer sozial ausgleichenden Wirtschaftspolitik eindämmen. Was steckt hinter dieser „antifaschistischen Wirtschaftspolitik“? Worauf zielt sie? Kann sie funktionieren? Und ist sie ein geeignetes Mittel, um die „machtvollste Welle rechter Politik seit dem zweiten Weltkrieg“ (Cas Mudde) aufzuhalten? Darüber spreche ich mit dem…

15 Aug. 2026
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44. Thomas Arnold: Der Mangel als Geschäftsmodell: Narzissmus, Kapitalismus und das unersättliche Selbst

Narzissmus ist nicht nur ein individuelles Problem. Er ist auch ein gesellschaftliches Muster. In ihrem Buch „Das unersättliche Selbst“ zeigen die Philosophen Thomas Arnold und Thomas Fuchs, dass Narzissmus eng mit kapitalistischen Verhältnissenverbunden ist: mit Mangel, Konkurrenz und dem Versprechen, Leere lasse sich durch Konsum, Leistung oder Anerkennungfüllen. Gerade der digitale Kapitalismus verschärft diese Dynamik. Entkörperung, Imagination und Subjektivierung erzeugen ein Selbstbild, das sich ins selbst Zentrum setzt und die Perspektive der anderen zunehmend ausblendet. Wir begegnen uns immerseltener leiblich, sondern zunehmend als Bilder, Projektionen und Profile. Das begünstigt narzisstische Selbstverhältnisse: ein Ich, das in unendlichen Selbst-Spiegelungen fortwährend nach Bestätigung sucht. Thomas Arnold lehrt als Assistant Professor am Philosophischen Seminar der Universität Heidelberg und erforscht Metaphysik, Platonismus und Phänomenologie. Ein Gespräch darüber, warum sich Narzissmus nicht…

15 Jul. 2026
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43. Annette Kehnel: Alte Weisheit statt ewiges Wachstum – Vom Mittelalter lernen

Finster, brutal, abergläubisch: So stellen wir uns das Mittelalter vor. Das stimmt nicht, sagt die Historikerin Annette Kehnel. Unser Bild dieser Epoche, schreibt sie, prägte stark das 19. Jahrhundert. Diese Zeit inszenierte sich selbst als Höhepunkt der Geschichte. Kehnel entdeckt in den tausend Jahren zwischen 500 und 1500 n. Chr. sogar Ansätze, die uns in den heutigen Krisenzeiten helfen können. In ihrem preisgekrönten Sachbuch "Wir konnten auch anders" zeigt sie: Nachhaltigkeit, gemeinschaftliche Ressourcennutzung, Recycling, Mikrofinanzierung und Maßhalten, Baustoffrecycling, Crowdfunding, nachhaltige Fischerei, Secondhand-Märkte: All das gab es schon damals. In "Die sieben Todsünden" deutet sie diese nicht als moralische Verbotsliste. Sie versteht sie als überliefertes Wissen, gewachsen aus den Erfahrungen vieler Generationen. Dieses Wissen hilft, zerstörerische Kräfte zu erkennen und auszubalancieren. Warum geriet dieses Wissen in Vergessenheit? Und wie lässt es sich wieder nutzen? Ein Gespräch über…

15 Jun. 2026