Zusammenfassung der Episode
Auf die Frage, wohin sich die Realzinsen entwickeln (#437), folgt eine politische Frage: Was geschieht, wenn hoch verschuldete Staaten die Finanzierungskosten nicht mehr ohne Konflikte tragen können? Günstigeres Geld kann Zeit verschaffen. Es kann aber auch den Anreiz verstärken, notwendige Reformen aufzuschieben und die Kosten auf Gläubiger und Sparer zu verlagern. Eine aktuelle Einordnung unterscheidet fiskalische Dominanz von finanzieller Repression und erklärt, warum nominale Rückzahlung nicht automatisch den Erhalt der Kaufkraft bedeutet. Die historische Forschung der ehemaligen Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart und der IWF-Ökonomin María Belén Sbrancia liefert dazu den Hintergrund. In der Studie stellen sie zwar fest, dass Inflation Schulden entwertet, entscheidend sei aber die Kombination aus Inflation, politisch oder regulatorisch gedrückten Zinsen und einer Anlegerbasis, die Staatsanleihen halten muss oder kaum Alternativen besitzt. Erst diese Kombination macht aus Inflation ein dauerhaft…
Auf die Frage, wohin sich die Realzinsen entwickeln (#437), folgt eine politische Frage: Was geschieht, wenn hoch verschuldete Staaten die Finanzierungskosten nicht mehr ohne Konflikte tragen können? Günstigeres Geld kann Zeit verschaffen. Es kann aber auch den Anreiz verstärken, notwendige Reformen aufzuschieben und die Kosten auf Gläubiger und Sparer zu verlagern. Eine aktuelle Einordnung unterscheidet fiskalische Dominanz von finanzieller Repression und erklärt, warum nominale Rückzahlung nicht automatisch den Erhalt der Kaufkraft bedeutet. Die historische Forschung der ehemaligen Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart und der IWF-Ökonomin María Belén Sbrancia liefert dazu den Hintergrund. In der Studie stellen sie zwar fest, dass Inflation Schulden entwertet, entscheidend sei aber die Kombination aus Inflation, politisch oder regulatorisch gedrückten Zinsen und einer Anlegerbasis, die Staatsanleihen halten muss oder kaum Alternativen besitzt. Erst diese Kombination macht aus Inflation ein dauerhaft…
Folgen
Geldpolitik in Geiselhaft
GehörtAuf die Frage, wohin sich die Realzinsen entwickeln (#437), folgt eine politische Frage: Was geschieht, wenn hoch verschuldete Staaten die Finanzierungskosten nicht mehr ohne Konflikte tragen können? Günstigeres Geld kann Zeit verschaffen. Es kann aber auch den Anreiz verstärken, notwendige Reformen aufzuschieben und die Kosten auf Gläubiger und Sparer zu verlagern. Eine aktuelle Einordnung unterscheidet fiskalische Dominanz von finanzieller Repression und erklärt, warum nominale Rückzahlung nicht automatisch den Erhalt der Kaufkraft bedeutet. Die historische Forschung der ehemaligen Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart und der IWF-Ökonomin María Belén Sbrancia liefert dazu den Hintergrund. In der Studie stellen sie zwar fest, dass Inflation Schulden entwertet, entscheidend sei aber die Kombination aus Inflation, politisch oder regulatorisch gedrückten Zinsen und einer Anlegerbasis, die Staatsanleihen halten muss oder kaum Alternativen besitzt. Erst diese Kombination macht aus Inflation ein dauerhaft…
Schulden werden teurer
GehörtFrankreich führt vor, wie hohe Schulden, anhaltende Defizite und politische Blockaden zusammenwirken. Steigende Zinsen verschärfen das Problem. Das gilt aber keineswegs nur bei unseren französischen Nachbarn. Warum ist langfristiges Geld teurer geworden? Wie lange lässt sich die wachsende Zinsrechnung durch alte Niedrigzinsverträge abfedern? Und können sinkende Realzinsen die Staaten entlasten? So unwahrscheinlich, wie das klingt, ist es nicht. Auch frühere Phasen der Zinssteigerung nach längeren Phasen real sinkender Zinsen dauerten nach Analysen der Wirtschaftshistorikers Paul Schmelzing nur rund zehn Jahre. Wiederholt sich dieses Muster, haben wir den Zinshöhepunkt bereits hinter uns. Das ist eine gute Nachricht für die Staaten, aber eine schlechte für Gläubiger und Sparer. Im Gespräch mit dem Wirtschaftshistoriker und Finanzwissenschaftler Dr. Paul Schmelzing, Professor für Finanzen am Boston College, diskutiert Daniel Stelter die konkurrierenden Erklärungen und die Frage, was die Geschichte der Zinsen…
Wer zahlt Frankreichs Rechnung?
GehörtIn Frankreich treffen die Proteste des Jahres 2026 auf hohe Schulden, wachsende Zinslasten und ein schwieriges politisches Ringen um den Haushalt. Doch die Probleme reichen über die Unruhen hinaus, denn eigentlich stellt sich die Frage, wie ein Staat seine Verpflichtungen erfüllen soll, wenn man sich nicht darauf verständigen kann, wer die Lasten tragen soll. Nicht zum ersten Mal wird die Schuldenfrage in Frankreich zur Machtfrage. Aus der Geschichte ergibt sich keineswegs, dass sie sich heute wiederholt. Dennoch gibt es Lehren, wie unter welchen politischen Bedingungen Schulden und Verteilungskonflikte geordnet bewältigt werden können und was Frankreichs Lage für Deutschland und die Währungsunion bedeutet. Der Historiker Dr. Michael Sonenscher vom King’s College in Cambridge sprach in Folge #291 mit dem Titel „Vor revolutionären Zeiten“ (20. April 2025) über Staatsverschuldung, Ungleichheit und die intellektuellen Ursprünge der Französischen Revolution. Angesichts der Situation in Frankreich ist es Zeit für…
Zerstörung eines Marktes
GehörtIn Berlin deuten die Zeichen auf eine Regierung, die tatsächlich glaubt, durch die Verstaatlichung vorhandener Wohnungen ließe sich das Problem mangelnden Wohnraums und dadurch steigender Mieten beheben. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie schlecht es um das ökonomische Verständnis im Land steht, dann ist er damit wohl erbracht. Allerdings passen die Pläne des möglichen rot-grün-roten Bündnisses in eine Kette politischer Entscheidungen, die schon in den letzten 15 Jahren dazu beigetragen haben, das Wohnungsproblem zu verschärfen. Studien zeigen, dass bereits eine Mietpreisbremse das Angebot an Wohnungen reduziert und damit die Wohnungsnot steigert. Ja, die Glücklichen, die eine Wohnung besitzen, freuen sich über unterhalb der Inflationsrate liegende Mietsteigerungen, aber für diejenigen, die neu auf den Markt kommen, führt es zu noch mehr Knappheit. Das Angebot sinkt dabei über verschiedene Kanäle: Mieter bleiben in ihren Wohnungen, weil die Bremse ihre Miete deutlich unter den Marktpreis senkt,…
Erwartungen und Grenzen
GehörtErwartungen haben eine besondere Bedeutung für die Wirtschaftspolitik. Vor allem beim Thema Inflationserwartungen gilt diese Bedeutungsschwere. Doch es gibt auch generelle Zweifel. So veröffentlichte der Notenbank-Ökonom Jeremy B. Rudd von der US-amerikanischen Federal Reserve (FED) bereits im September 2021 einen viel beachteten Kommentar, in dem er die Sinnhaftigkeit der Steuerung nach Erwartungen in Frage stellte. Das war zwar keine offizielle Position der FED, aber eine berechtigte Warnung, denn die Inflationserwartungen waren niedrig, kurz darauf aber stieg die Inflation in den USA und der EU deutlich an. Das Gegenteil von dem, was erwartet worden war. Im Oktober 2021 sprach Daniel Stelter in Folge 105 mit Professor Dr. Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute, über „Die Selbstüberschätzung der Notenbanker“. Ausgangspunkt war die These der säkularen Stagnation (also dem langfristigen Zustand einer Volkswirtschaft, in dem das Wirtschaftswachstum dauerhaft schwach bleibt…