00:01
Eine Frau, die nicht zur Arbeit kommt. Ein Telefonkabel, das aus der Wand gerissen wurde. Und ein Wagen ohne Nummernschilder, der in Frankreich gefunden wird. Heute bei Spurlos.
00:25
Weil diese nasse Wärme, das ist halt ganz anders als trockene Wärme.
00:30
Laufen wir?
00:32
Oh, Frau Dr. Leitschik hält hier gerade einen Vortrag über Rückenschmerzen. Ja komm, jetzt lassen wir mal schön die Hörerschaft teilnehmen, was hier nämlich passiert. Ich hole euch mal ab da draußen, Hallöchen, was hier gerade stattfindet.
00:49
Silvie hat Rücken. Sie hatte gestern auch schon Rücken. Ja gut, Silvie hat Körper sozusagen, große Schmerzen. Und was habe ich ihr dann gesagt mit gefährlicher Heilbildung? Silvie, Schmerzmittel, dementsprechend nennen jetzt keine Namen, nicht nur einmal eine nehmen, sondern dann sich einmal trauen, obwohl ich jetzt auch kein Pilleneinwerfer bin, drei Tage am Stück.
01:12
damit du dich durch das Schmerzmittel hindurch wieder bewegen kannst.
01:16
Du hast es genannt, auf einem Level bleiben. Auf dem Pegel sozusagen.
01:21
Dann ab in die Apotheke oder Drogeriemarkt, Wärmekissen drauf und in die Badewanne. Also so heiß wie möglich baden. So, wir sind 24 Stunden weiter. Was hast du gemacht?
01:34
Den Pegel habe ich gehalten.
01:35
Ja, Pegel gesoffen vielleicht. Nein, nein. Für den Schmerzmittel. Aber Silvi, jetzt mal ernsthaft, du hast dir kein Wärmepflaster geholt?
01:42
Nein.
01:43
Du warst nicht in der Wanne? Nein. Warum? Weil es dann eigentlich mit dem Pegel ganz gut ging und ich dachte, die Not war nicht mehr so groß. Weißt du, also ganz ehrlich, deswegen bin ich froh, dass ich keine Ärztin geworden bin. Wirklich. Das ist ja so beratungsresistente, ganz schlimm.
02:00
Die widerspenstigen Patienten.
02:02
Da muss ich leider zum Schluss jetzt sagen, Silvi, dann kann es so schlimm nicht gewesen sein, wenn du meine Ratschläge nicht ernst nimmst. So, das haben wir jetzt alles auf Band, das war anders geplant. Jetzt möchte ich gerne, geht es denn? Kannst du so hier sitzen? Ich bin schmerzfrei. Alles klar.
02:20
Heute geht es ja um eine Geschichte, die uns sehr berührt hat. Denn es geht um ein Verbrechen. Heute geht es um einen Crime-Fall, bei dem es zunächst keinerlei verwertbare Spuren gibt. Und um einen Fall, in dem die Zeit eine ganz besondere Rolle spielt.
02:38
Ja, das stimmt. Und es gibt ja diesen Spruch, die Ermittler arbeiten gegen die Zeit. Und das bedeutet, wenn zu viel Zeit vergeht, dann können Spuren verschwinden. Dann können Dokumente verloren gehen, Nachrichten gelöscht werden. Also die Zeit ist oft der größte Gegner der Kriminalpolizei. Aber in unserem Fall ist es genau umgekehrt, denn hier arbeitet die Zeit für die Ermittler.
03:04
Es ist Herbst im Jahr 1991. In dem Konferenzraum eines großen Polizeipräsidiums in Deutschland sitzen einige Ermittler der Mordkommission zusammen.
03:15
Sie haben sich um einen langen Tisch versammelt und vor ihnen liegen die Unterlagen zu einem Fall, der sie seit vielen Monaten beschäftigt. Teilweise sind es lose Papiere, zum Teil sind die Dokumente in schlichten Aktenordnern abgeheftet.
03:31
Die Ermittler sitzen schweigend über den Unterlagen. Einige haben die Arme verschränkt, andere stützen die Hände auf den Tisch. Zwei der Ermittler gehen die einzelnen Mappen noch einmal sorgfältig durch. Langsam blättern sie Seite für Seite um.
03:48
Einer nimmt ein Blatt aus dem Ordner, legt es vor sich auf den Tisch und vergleicht die Angaben mit den übrigen Dokumenten. Der andere fährt mit dem Finger eine Zeile entlang, liest sie erneut und start auf den Text.
04:03
So, als ließe sich zwischen den Zeilen doch noch ein Hinweis finden. Doch alle hier im Raum wissen, in diesen Unterlagen gibt es nichts, das ihnen einen neuen Ansatz liefern könnte. Es gibt keine Spur, die sie verfolgen könnten und keinen Hinweis, der in eine bestimmte Richtung weisen würde.
04:23
Die Ermittler, die sich hier um den Tisch versammelt haben, kennen diese Unterlagen zu genau, um noch ernsthaft darauf zu hoffen, darin etwas zu finden, das sie bisher übersehen haben könnten. Sie wissen, dass dieser Fall geschlossen werden muss. Eine Entscheidung, die keinem von ihnen leicht fällt. Doch ohne eine neue Spur, ohne einen belastbaren Hinweis und ohne Aussicht auf weitere Erkenntnisse bleibt ihnen keine andere Möglichkeit.
04:53
Die Ermittler, die in diesem Raum sitzen, die suchen seit vielen Monaten nach einem Täter, der spurlos verschwunden ist. Vielleicht sind es auch zwei oder mehrere Täter. Nicht einmal das lässt sich mit Sicherheit sagen. Jeder mögliche Ansatz ist überprüft, jede verfügbare Spur verfolgt worden. Ohne Erfolg. Was die Mitarbeiter der Mordkommission, die gerade dabei sind, die Akten zu schließen und die Ermittlungen jetzt einzustellen, zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen können, die Geschichte dieses Falls ist noch nicht zu Ende.
05:27
Denn sie haben einen Hinweis in der Hand, der zum jetzigen Zeitpunkt wertlos ist.
05:33
Erst viele Jahre später wird sich herausstellen, dass sie bei ihrer Arbeit vor Ort wichtige Beweise gesichert haben, ohne zu wissen, welche Bedeutung diese unscheinbaren Spuren später einmal bekommen werden.
05:47
Der Fall wird nun offiziell geschlossen. Das bedeutet, die Ermittlungen werden eingestellt. Er wird zu einem sogenannten Cold Case. Die Ermittler, die hier in diesem Raum sitzen, werden längst nicht mehr im Dienst sein, wenn spätere Kollegen die Akten ihres Falls wieder aufschlagen.
06:06
Die Unterlagen, die jetzt vor ihnen auf dem Tisch liegen, werden dann viele Jahre alt sein. Was für sie heute nach dem Ende einer erfolglosen Ermittlung aussieht, wird für eine neue Generation von Ermittlern plötzlich von großer Bedeutung sein. Und diese zukünftigen Kollegen werden dann die Suche nach dem Täter wieder aufnehmen. Dem Täter, der über all die Jahre spurlos verschwunden ist.
06:39
Ja, ein Cold Case ist, wie wir wissen, nicht zwangsläufig ein Fall, der für immer ungelöst bleibt. Es ist oft ein Fall, dessen Aufklärung mit den damaligen Mitteln, also mit den Ermittlungsmethoden seiner Zeit, noch nicht möglich war. Aber mit dem Fortschritt der Kriminaltechnik und der forensischen Wissenschaft entstehen immer wieder neue Möglichkeiten, alte Spuren auszuwerten. Und plötzlich kann ein Fall, in dem es jahrzehntelang keine Antwort gab, wieder aufgegriffen und neu bewertet werden.
07:08
Somit ist die spätere Aufklärung von so einem Cold Case im Grunde ja eine Verbindung zwischen den Generationen der Ermittler.
07:18
Also Mord verjährt nie. Das ist diese Floskel, aber das ist auch etwas, was ganz wichtig ist, weil Mord verjährt auch nicht in den Köpfen der Ermittler.
07:27
Das sagt Polizeihauptkommissar Gunnar Wortmann. Er ist Polizeisprecher beim Polizeipräsidium Dortmund und er führt uns heute durch einen spektakulären Fall. Einen Fall, der eben mehrere Generationen von Ermittlern über Jahrzehnte hinweg beschäftigt hat.
07:44
Es gab auch nie nur die geringste Chance, diesen Fall zu lösen. Doch dann eröffnet plötzlich ein neues Verfahren eine Möglichkeit, die es damals noch nicht gab. Damals, als sozusagen die erste Generation von Polizeibeamten an einem Dienstagnachmittag im Jahr 1991 am Tatort eingetroffen sind.
08:05
Erst jetzt, 32 Jahre später, können die Spuren, die damals gesichert und sorgfältig aufbewahrt wurden, mit völlig neuen Methoden untersucht werden. Und das könnte mehr als drei Jahrzehnte nach der Tat den Durchbruch in dieser Ermittlung bringen.
08:22
Ja, aber wir werden auch sehen, dass die Tatsache, dass man einen Täter identifizieren kann, nicht automatisch bedeutet, dass man damit auch alle Fragen eines Falls beantworten kann.
08:33
Dieser Fall beginnt in Dortmund und zwar vor 35 Jahren im Februar 1991.
08:40
Im Februar 1991 ist Heike 28 Jahre alt und um Heike geht es heute. Sie lebt in Dortmund und arbeitet hier als Dekorateurin bei Karstadt, einem großen Kaufhaus in der Dortmunder Innenstadt. Das Kaufhaus gibt es heute nicht mehr. Das gibt es nicht mehr, das wurde 2009 geschlossen.
08:58
Aber 1991, da ist Karstadt ja noch ein sehr beliebtes großes Kaufhaus. Es befindet sich in einem alten historischen Sandsteingebäude im Zentrum der Stadt. Es ist ein großer Arbeitgeber. Etwa 1000 Mitarbeiter sind bei Karstadt in Dortmund damals angestellt und Heike ist eine von ihnen.
09:18
Heike arbeitet schon seit mehr als zehn Jahren als Dekorateurin bei Karstadt und Dekorateurin, ja das ist ihr absoluter Traumberuf. Heike liebt es, Dinge zu gestalten und Schaufenster oder auch ganze Abteilungen neu zu dekorieren. Ihr Beruf passt perfekt zu ihr, denn sie kann kreativ sein, sich immer wieder etwas Neues ausdenken und sie kann ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
09:41
Also wenn das einer nachfühlen kann im Dekobereich, dann bin ich das.
09:45
Das habe ich mir schon gedacht.
09:47
Wir haben ja auch zwei Fotos von Heike aus dem Jahr 1991.
09:50
Ja, ich finde sie total sympathisch. Kurze blonde Haare. Auf einem Bild trägt sie eine Brille. Das ist hier das Schwarz-Weiß-Foto. Die Brille wäre, glaube ich, heute wieder modern. Das ist, glaube ich, eine zierliche Frau, so wirkt sie. Das ist natürlich ein abgeschnittenes Foto. Sie wirkt offen.
10:09
Sie wirkt freundlich und ich finde, sie wirkt verlässlich. Das wäre so ein Attribut, was mir einfallen würde.
10:16
Ja, und genau so beschreiben Sie auch Ihre Freundinnen. Heike hatte viel Humor, erzählen Sie. Man konnte mit ihr lachen und jede Menge Spaß haben. Und sie war auch sehr zuverlässig und immer da, wenn jemand in Not war.
10:30
Im Februar 1991 ist in Heikes Leben einiges im Umbruch. Sie hat sich vor einigen Wochen von ihrem langjährigen Freund getrennt, von Rüdiger. Rüdiger arbeitet als Techniker in der Musikbranche, er begleitet Musiker zu Konzerten und ist auch an der Vorbereitung großer Tourneen beteiligt. Durch seinen Beruf ist er oft und auch über längere Zeiträume hinweg unterwegs und sein Alltag unterscheidet sich damit ziemlich von Heikes eher bodenständigem Leben.
10:58
Heikes Freunde berichten, dass Heike sich in dieser Zeit eine kleine Familie gewünscht hätte.
11:03
Wir wissen nicht wirklich, weshalb Heike sich von ihrem Freund getrennt hat, aber wahrscheinlich hatten sich die beiden einfach auseinanderentwickelt. Die Trennung verlief jedenfalls friedlich und freundschaftlich. Das ist dokumentiert und Heike geht jetzt ihren eigenen Weg.
11:20
Heike und Rüdiger haben bis zu ihrer Trennung gemeinsam in einem kleinen Haus in Dortmund gelebt. Nach der Trennung und Rüdigers Auszug wohnt Heike nun alleine in diesem Haus. Es ist ein weißer Bungalow, also ein eingeschossiges Wohnhaus, das mitten in einer großen Wohnsiedlung steht. Heike sucht gerade eine neue Wohnung, aber im Februar 1991 hat sie noch nichts Passendes gefunden. Jetzt kommt Werbung.
11:49
Unser heutiger Werbepartner ist wieder Happy Brush und dadurch, dass wir schon länger zusammenarbeiten, habe ich mich natürlich jetzt in letzter Zeit intensiver mit dem Thema beschäftigt. Und weißt du, was ich wirklich liebe daran? Auf Reisen. Erzähl. dass dieser Akku so lange hält. Der hält bis zu acht Wochen. Das hört sich jetzt so banal an. Ja, mein Gott, da muss man halt laden. Aber weißt du, gerade wenn man viel unterwegs ist, mich nervt das total, wenn ich dann da die Kabellage noch, weißt du, man hat eh schon tausend Sachen dabei.
12:20
Aber das Ding, der läuft und läuft und läuft. Weil im Umkehrschluss, wenn dir mitten auf der Reise der Akku ausgeht und du hast kein Ladekabel oder Ladegerät dabei, ich finde das dann total nervig. Also ich nutze jetzt seit geraumer Zeit die Happy Brush Und was mir weiterhin aufgefallen ist, das ist die Vibration. Also diese 40.000 Bewegungen, ich habe ja vorher andere Zahnbürsten benutzt, man merkt wirklich den Unterschied und ich habe sie euch extra mitgebracht, gleichzeitig ist sie erstaunlich leise.
12:56
Also ich finde das einen Unterschied. Und spannend, mehr als die Hälfte der Deutschen putzt tatsächlich noch mit der Handzahnbürste. Echt? Obwohl elektrische Zahnbürsten deutlich gründlicher reinigen können. Elektrisch putzen ist bewiesen effizienter. Die Happy Brush entfernt durch 40.000 Vibrationen bis zu siebenmal mehr Plagg.
13:15
Aber genau dafür bietet Happy Brush eben alles rund um die Mundpflege an. Also warum nicht umsteigen? Eine gute Routine ist nicht nur zweimal am Tag zwei Minuten Zähneputzen. Bei Happy Brush gibt es auch alles rund um die Munddusche, habe ich alles Zahnseide, Zahnpasta und Co. Die Produkte wurden unabhängig auch getestet. Die Schallzahnbürste Eco Vibe 3 Plus ist zum Beispiel Testsieger beim FAZ Kaufkompass. Und auch die Whitening Zahnpasta, die übrigens auch echt gut schmeckt, finde ich, wurde von Stiftung Warentest ausgezeichnet.
13:50
Wenn ihr das also auch mal ausprobieren möchtet mit dem Code SPURLOS20, bekommt ihr 20% Rabatt auf alle Produkte von happybrush.de. Ohne Mindestbestellwert. Der Code ist gültig bis zum 15. Dezember 2026.
14:04
Und jetzt am 25. September ist übrigens Tag der Zahngesundheit. Vielleicht ja genau der richtige Ansatz, um mit wenig Aufwand doch jetzt einiges zu verändern. Den Link und alle Infos zur Happy Brush findet ihr in den Shownotes.
14:22
Es ist Montag, der 25. Februar 1991. Nach einem kalten Winter ist es an diesem Tag überraschend mild. Es hat um die 10 Grad.
14:36
Am späten Nachmittag verlässt Heike nach ihrer Arbeit pünktlich das Kaufhaus in der Innenstadt und sie macht sich auf den Weg zu ihrem roten Ford Fiesta. In der Hand trägt Heike mehrere Karstadt-Tüten, darin befinden sich verschiedene Dekorationsartikel. Heike schließt ihren Ford Fiesta auf, verstaut die Tüten im Wagen und steigt dann ein. Für diesen Abend hat sie sich mit einer Freundin verabredet.
14:58
Diese Freundin betreibt einen kleinen Friseursalon und gemeinsam wollen die beiden Frauen das Schaufenster des Salons neu gestalten. Die Dekorationsartikel in den Einkaufstüten sollen genau dabei zum Einsatz kommen.
15:11
Als Heike am Friseursalon ankommt, machen sich die beiden Frauen sofort an die Arbeit. Sie überlegen, welche Farben und Formen gut miteinander harmonieren könnten. Sie stellen Dinge im Schaufenster um und immer wieder treten sie ein paar Schritte zurück, betrachten ihr Werk und überlegen, was noch fehlt. Ein paar Stunden vergehen so, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das Schaufenster wirkt jetzt hell, freundlich und einladend.
15:38
Die Freundin schlägt Heike vor, noch gemeinsam Pizza essen zu gehen. Heike lehnt jedoch ab. Sie möchte lieber direkt nach Hause. Deshalb sammelt sie die übrig gebliebenen Dekorationsartikel wieder ein und verstaut sie in ihren Tüten. Dann schleppt sie alles zu ihrem roten Fort Fiesta und verabschiedet sich von der Freundin. Es ist zu diesem Zeitpunkt etwa 19.30 Uhr.
16:02
Bis zu ihrem kleinen Bungalow sind es nur etwa zwei Kilometer. Heike fährt los. Es ist dunkel und die Straßen sind menschenleer.
16:11
Am folgenden Tag, es ist der 26. Februar, ein Dienstag, müsste Heike eigentlich wie gewohnt morgens pünktlich bei Karstadt zur Arbeit erscheinen. Doch sie kommt nicht und niemand hört etwas von ihr.
16:24
Das ist ungewöhnlich, denn Heike gilt als ausgesprochen zuverlässig und korrekt. Einfach nicht zur Arbeit zu erscheinen, ohne Bescheid zu sagen. Also das passt überhaupt nicht zu ihr. Für ihre Kollegen ist deshalb ganz schnell klar, irgendetwas stimmt hier nicht. Sie versuchen Heike telefonisch zu Hause zu erreichen, doch niemand hebt dort ab. Als Heike am frühen Nachmittag immer noch nicht bei der Arbeit ist und weiterhin niemand etwas von ihr gehört hat, rufen die Kollegen schließlich gegen 14 Uhr bei Heikes Eltern an.
16:55
Heikes Eltern Hans und Helene wohnen nur wenige Minuten von Heikes Bungalow entfernt. Als die Kollegen bei ihnen anrufen, ist Heikes Vater zunächst erstaunt. Denn Heikes roter Ford Fiesta steht nicht vor ihrem Haus. Das hat er gesehen. Für ihn bedeutet das, Heike muss mit dem Wagen unterwegs sein. Er geht deshalb zunächst davon aus, dass seine Tochter gar nicht zu Hause ist.
17:21
Trotzdem laufen Heikes Eltern jetzt hinüber zu dem weißen Bungalow, um nach dem rechten zu sehen.
17:28
Schon vor der Eingangstür entdecken die beiden etwas, das sie stutzig macht. Denn dort liegen mehrere Einkaufstüten herum. Sie gehören offenbar Heike. Und es sieht so aus, als hätte sie sie erst vor kurzem dort abgestellt. Für die Eltern passt das alles nicht zusammen. Heike scheint nach Hause gekommen zu sein. Sie hat diese Tüten vor der Eingangstür abgestellt. Und dann ist sie offensichtlich wieder weggefahren? Denn ihr Wagen ist immer noch nicht da. Heikes Eltern machen sich Sorgen, dass Heike etwas passiert ist und sie informieren die Polizei.
18:04
Kurze Zeit später treffen dann die Polizeibeamten am Haus ein. Gemeinsam mit Heikes Eltern betreten sie den kleinen Bungalow und sehen sich in den Räumen um. Sie gehen von Zimmer zu Zimmer und suchen nach Hinweisen darauf, was mit Heike geschehen sein könnte.
18:20
Bei der Durchsuchung fällt dem Beamten auf, dass eine Tür verschlossen ist. Es handelt sich um Heikes Nähzimmer, einem Raum, in dem sie viel Zeit verbringt und in dem sich ihre Nähsachen und andere persönlichen Dinge befinden. Die Beamten öffnen die Tür. Was sie dahinter vorfinden, verändert die Situation schlagartig. Auf dem Boden liegt Heike. Sie ist tot.
18:45
Allen ist sofort klar, dass Heike einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Heike ist erstochen worden. Von der Tatwaffe fehlt jedoch jede Spur. Im Nähzimmer lässt sich auf den ersten Blick kein Messer und irgendein anderer Gegenstand finden, mit dem die Tat begangen worden sein könnte.
19:04
Ja, und da waren ja dann wahrscheinlich auch die Eltern entweder vor Ort oder eben in unmittelbarer Nähe. Man kann sich das einfach gar nicht vorstellen. Die Tochter ist tot. Die ist im eigenen Zuhause in diesem Haus Opfer eines Verbrechens geworden.
19:24
Ja.
19:27
Immer mehr Polizeiwagen fahren nun vor dem kleinen Bungalow vor. Die Beamten beginnen damit, den Bereich rund um das Haus weiträumig abzusperren.
19:36
Während die Spurensicherung die Wohnräume akribisch untersucht, stellt sich den Ermittlern der Kriminalpolizei eine entscheidende Frage. Wie kam der Täter überhaupt in das Haus? Denn Einbruchspuren an den Fenstern oder an der Türe, also an der Eingangstür, sind nicht zu erkennen. Nichts deutet darauf hin, dass sich jemand hier gewaltsam Zutritt verschafft hat.
20:01
Es dauert nicht lange, bis den Ermittlern klar wird, dass der Täter auf ungewöhnliche Weise in Heikes Bungalow gelangt sein muss.
20:08
Der Unbekannte ist nämlich durch einen Lichtschacht in den Keller von Heikes Haus geklettert. Und dieser Lichtschacht, der liegt hinter dem Bungalow und ist nur über den angrenzenden Garten zu erreichen. Also von außen ist kaum zu erkennen, dass dieser Lichtschacht überhaupt zu Heikes Haus gehört. Für jemanden, der die Örtlichkeit nicht kennt, wäre dieser Zugang unmöglich zu finden. Also der Täter muss diesen Schacht gekannt haben.
20:33
Sehr unheimlich, finde ich. Also dieser Zugang der Lichtschacht, der liegt im Garten hinten, also rückseitig und Nachbarn oder Passanten vorne auf der Straße könnten gar nicht mitbekommen, dass jemand hinten in das Haus eindringt.
20:49
Ganz genau. Also der Täter ist durch diesen Lichtschacht hinuntergeklettert, dann kam er in einen Kellergang und dieser Gang, der führte dann zu Heikes Wohnräumen. Und um in die Wohnräume zu gelangen, musste der Täter dann noch mehrere Türen aufbrechen oder aufhebeln. Und den Meißel, den er dafür benutzt hat, den findet die Polizei auch kurze Zeit später in einem von Heikes Zimmer.
21:13
Bedeutet, der Täter muss die baulichen Gegebenheiten dieses Bungalows gekannt haben. Er scheint ganz genau gewusst zu haben, wo sich dieser Lichtschacht befindet und wie er dann durch den Keller ins Haus gelangen kann.
21:25
Ja, genau. Der Täter muss das Haus gut gekannt haben.
21:29
Oder jemand hat ihm erklärt, wie er unbeachtet, also nicht von vorne, von der Straßenseite, sondern von hinten in das Haus kommen konnte.
21:37
Was ja übrigens auch für den allergrößten Teil von Einbrüchen gilt in Einfamilienhäusern. Also man sichert ja oft so gefühlsmäßig die Haustür sehr gut ab. Aber statistisch gesehen kommen die allermeisten eher dann rückseitig übers Haus. Logischerweise, weil sie dann in vielen Fällen nicht so beobachtet werden können.
21:59
Kann die Spurensicherung Fingerabdrücke finden? Nein, es gibt keine Fingerabdrücke und das bedeutet, der Täter muss Handschuhe getragen haben und auch die Tatwaffe bleibt übrigens verschwunden.
22:11
Also ein sehr planerisches Handeln anscheinend, das spricht schon wenig für eine Tat im Affekt, an der Stelle jedenfalls.
22:20
Was waren das eigentlich für Sachen, die da vor der Tür lagen? Also diese Tüten, die die Eltern gefunden haben?
22:26
Das waren die Tüten mit dem Dekorationsmaterial, das die Heike am Abend zuvor nach ihrer Verabredung am Friseursalon kam. in ihr Auto gepackt hatte. Jan Heike hat dann die Sachen offensichtlich zu Hause aus ihrem Auto geholt, vor die Tür gestellt, ist hineingegangen und dann ist sie wahrscheinlich drinnen von den Tätern überrascht worden.
22:45
Könnten das Einbrecher gewesen sein, die da gezielt nach Geld gesucht haben, die dann von Heike überrascht wurden? Es müssten ja dann vielleicht Leute sein, die einen Tipp hatten, dass da viel zu holen ist. Was kann man dazu...
22:57
Ja, viel zu holen war da nicht. Es fehlen 119 D-Mark, also umgerechnet rund 60 Euro. Ansonsten scheint in der Wohnung alles an seinem Platz zu sein, wobei Heike ohnehin keine größeren Wertgegenstände besessen hat. Also, dass das jetzt das Motiv war, das lässt sich nicht ausschließen, aber wirklich überzeugend ist das auch nicht.
23:19
Nee, zumal ja jetzt alles so aussieht, als hätte das jemand wirklich bewusst geplant. Dann würde ich das verstehen, wenn bekannt war, was weiß ich, sie hat eine ganz teure Uhrensammlung oder sie hat ein Faible für teuren Schmuck oder sowas, weißt du. Aber 119 D-Mark, also 60 Euro, das ist ja ein Betrag, das scheint ja kaum vorstellbar.
23:42
In dem Kontext denkt man natürlich als nächstes sofort an ein Sexualdelikt. Also ist Heike einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen? Sie wohnte ja alleine. Dann dieser seltsame Weg durch den Lichtschacht, den der Täter genommen hat.
23:59
Was gibt es da für Hinweise und Spuren, die auf einen sexuellen Übergriff hindeuten?
24:05
Es gibt nichts. Also die Ermittler schließen ein Sexualdelikt aus von Anfang an. Es gibt keine Spuren und es gibt auch keine Verletzungen, die auf einen Sexualdelikt hinweisen würden.
24:16
Hätte man doch jetzt an dem Punkt, finde ich, sicher drauf gehen können. Aber der Wagen von Heike ist weg.
24:24
Der rote Ford Fiesta ist nicht mehr da.
24:27
Also zusammenfassend, wir haben keine Tatwaffe, es gibt keine Fingerabdrücke, aber es ist klar, dass dieser Täter wusste, wie er in dieses Haus gelangen könnte, nämlich durch den Lichtschacht.
24:38
Wir sprechen jetzt bisher von einem Täter. War es ein Täter oder mehrere? Ist das ersichtlich?
24:44
Die Ermittler gehen jetzt nach der Sichtung des Bungalows und des Tatorts davon aus, dass mindestens zwei Täter vor Ort waren. Einer der Täter hat die Verbindungstüren im Keller aufgehebelt und der andere hat im Keller die Kabel der Telefonleitung aus der Wand gezogen.
25:00
Kabel der Telefonleitung. Also gerade bei so einem Überfall, dann könnte ja eine unterbrochene Telefonverbindung entscheidend sein. Also wenn der Täter befürchtet, dass jemand im Haus ist oder sogar weiß, verhindert er so schon mal, dass das Opfer die Polizei oder irgendjemand anrufen kann. Der Täter gewinnt so Zeit, ohne Angst haben zu müssen, dass die Polizei schon verständigt ist.
25:26
Polizeihauptkommissar Gunnar Wortmann beschreibt, wie seine Kollegen im Jahr 1991 weiter vorgegangen sind.
25:36
Bei Tötungsdelikten, bei Morden ist es so, dass ein sehr großer Teil so eine Art Beziehungsdelikt ist. Das heißt, Täter und Opfer haben irgendeine Beziehung miteinander. Ob das jetzt kriminelle Geschäfte sind, ob das familiäre Beziehungen sind, Das war hier sehr, sehr schwierig zu erkennen, nämlich eigentlich gar nicht. Und man guckt natürlich erst im nahen Umfeld. Das komplette Umfeld von Heike K. wird unter die Lupe genommen, die Verwandtschaft wird unter die Lupe genommen, die Nachbarn werden befragt. Also es ist ein Riesenauswand, der bei solchen Delikten von den Kollegen durchgeführt wird.
26:11
Ja, noch heute, also 35 Jahre später, erinnern sich immer noch einige der damaligen Nachbarn an die umfangreichen Ermittlungen der Sonderkommission, die unmittelbar nach der Tat eingerichtet wurde. Jeder wird jetzt befragt. Doch die Befragungen bringen zunächst keine neuen Erkenntnisse. Niemand hat etwas gesehen. Niemandem ist etwas Ungewöhnliches aufgefallen. Das bedeutet, einen Zeugen, der den Ermittlern weiterhelfen könnte, den gibt es nicht.
26:41
Ja und Stichwort Beziehungstat, da denke ich natürlich als erstes an den Ex-Freund, den sie wenige Wochen zuvor ja verlassen hatte. Der hat selbst ja auch in dem Haus gelebt, also der wäre ja wirklich ein Kandidat, der kennt diesen Lichtschacht im Keller, steht dann erstmal so gedanklich ja oben auf der Liste.
27:03
Genau, der Ex-Freund, der gerät natürlich schnell in den Fokus der Ermittler, aber er hat ein Alibi. Er ist ja in der Musikbranche tätig und er hält sich schon seit einiger Zeit in Süddeutschland auf.
27:14
Dort bereitet er die Tournee eines bekannten Schlagerstars vor und zwar die Tournee von Roland Kaiser. Seine Kollegen und seine Mitarbeiter können eindeutig bestätigen, dass er sich zum Tatzeitpunkt, also am Montag, den 25. Februar und auch die Tage davor in Süddeutschland aufgehalten hatte. Damit scheidet der Ex-Freund für die Ermittler als Täter aus.
27:36
Okay, das ist ja dann absolut wasserdicht.
27:40
Aber sie finden etwas anderes heraus. Heike soll sich nach der Trennung immer wieder mit einem anderen Mann getroffen haben. In welcher Beziehung die beiden zueinander standen, also ob sie ein Paar waren oder Freunde, darüber ist nichts Näheres bekannt. Dieser Mann soll in Dortmund Kontakte in, so heißt es, dubiose Kreise gehabt haben. Könnte er Heikes Mörder sein?
28:07
Tja, das sind fast mehr Gerüchte. Keiner weiß, was genau ist. Man hat da so ein bisschen was mitbekommen, die Freunde, aber eben nichts Näheres. Also es lässt sich nichts Genaues beweisen. Konnte man denn diesen angeblichen neuen Kontakt, also konnte man den ausfindig machen?
28:24
Ja, den konnte man ausfindig machen, aber beweisen ließ sich tatsächlich gar nichts. Es gibt weder Fingerabdrücke noch Zeugen, die diesen neuen Freund oder Bekannten von Heike mit der Tat in Verbindung bringen könnten. Und Alibi hat er darüber hinaus auch noch.
28:41
Also weder dieser neue Bekannte noch der Ex-Partner sind tatverdächtig.
28:45
Im Laufe der weiteren Ermittlungen kommt jetzt aber etwas ganz Unglaubliches ans Licht. Etwas, das den Eindruck vermittelt, dass sich hinter den bekannten Ereignissen möglicherweise noch eine zweite Geschichte verbirgt. Denn die Polizeibeamten erfahren jetzt von einem Vorfall, der zeitlich unmittelbar vor Heikes Ermordung liegt.
29:05
Nur zwei Wochen bevor Heike leblos in ihrem Nähzimmer gefunden wurde, war schon einmal bei ihr eingebrochen worden. Der oder die Täter hatten es offenbar gezielt auf Bargeld abgesehen. Denn sie hatten bei diesem ersten Einbruch 900 D-Mark gestohlen, die Heike in einer kleinen Dose in ihrer Küche aufbewahrt hatte.
29:22
Okay, aber das ist doch kein Zufall. Also eigentlich hätte dieser erste Einbruch den Tätern bereits zeigen müssen, dass in Heikes Haus nicht so viel zu holen war. Rund 900 DM, also 450 Euro.
29:37
Das war jetzt sicherlich kein unbedeutender Betrag, aber jetzt ja auch kein Betrag, wie soll ich sagen, der einen Eindruck vermittelt, dass diese Wohnung eine Goldgrube sein könnte. Das finde ich total seltsam. Ist das vielleicht Ablenkung? Steckt da was anderes dahinter, was so als...
30:01
Einbruchsdiebstahl getarnt worden sein soll. Ist da jemand, der Heike auf die Pelle rückt? Ich fände es ganz komisch.
30:09
Also das ist doch klar, dass das zusammenhängt, oder? Ja und auffällig ist auch in Heikes Wohnung war bei diesem ersten Einbruch angeblich nichts verwüstet und nichts durchwühlt worden. Für die Ermittler spricht es im Nachhinein gegen einen typischen Einbruch, also bei dem ein unbekannter Täter auf der Suche nach Bargeld und Wertgegenständen alle Schränke und Schubladen durchsucht. Also wenn der Täter tatsächlich auf der Suche nach Geld war, dann wusste er womöglich sehr genau, wo es zu finden war.
30:36
Und jetzt kommt noch was ganz Ungewöhnliches, denn all diese Fakten über diesen ersten Einbruch, die sind nicht durch die Polizei bekannt, sondern durchs Umfeld, also auch die Eltern von Heike. Denn das Problem ist, Heike hat diese Tat überhaupt nicht zur Anzeige gebracht. Also sie hat nicht die Polizei gerufen. Deswegen ist dieser Einbruch in den Polizeiakten gar nicht dokumentiert.
31:00
Warum sie die Polizei nicht informiert hat, das ist unklar.
31:04
Aber eins ist total auffällig. Der Einbrecher oder die Einbrecher kam auf demselben Weg in ihr Haus wie kurze Zeit später ihr Mörder.
31:13
Ja, okay. Durch die Lichtschacht im Garten. Also ich finde das nicht nur auffällig, sondern damit ist für mich so. Also ich darf ja anders spekulieren sozusagen an der Stelle als ein Kripobeamter. Das ist ja fast besiegelt, dass das der oder dieselben Menschen gewesen sein müssen.
31:29
Also dieser erste Einbruch 1991, das war am 8. Februar, den hat sie nicht zur Anzeige gebracht. Warum sie den nicht zur Anzeige gebracht hat, das können wir nur vermuten. Es könnte sein, dass sie sagte, das bringt eh nichts vielleicht. Es könnte sein, dass sie jemanden vielleicht schon verdeckt hat aus ihrem Umfeld und deshalb vielleicht nicht direkt die Polizei gerufen hat.
31:50
Fakt ist, wir können es nicht beweisen, warum sie nicht zur Polizei gegangen ist. Der Vater hatte daraufhin kurze Zeit später auch die Tür, wo die Einbrecher reingekommen sind, verstärkt. Und da war das Thema für sie dann wohl erledigt.
32:04
So, auch das ein interessanter Punkt. Ich glaube nicht, dass sie es nicht angezeigt hat, weil ihr das so egal war und weil sie keine Angst hatte. Ihr Vater hat die Tür verstärkt, also hat da das Sicherheitslevel sozusagen erhöht, damit keiner reinkommt. Das heißt doch, sie hat das sehr ernst genommen.
32:26
Vielleicht muss man genau in die andere Richtung denken. Vielleicht hat sie sehr viel Angst gehabt. So viel Angst, warum auch immer, dass sie nicht zur Polizei konnte. Vielleicht gab es da einen Grund. Vielleicht wurde sie bedroht. Ich finde das alles sehr seltsam. Weißt du, Silvi, ich denke da eher an so jemanden, der da so, wie soll ich ihn sagen, weißt du, wie so ein Stalker, der da eingedrungen ist und okay, der hat dann auch noch Geld mitgenommen, vielleicht zur Ablenkung, vielleicht wusste sie aber auch ganz genau, dass es um etwas anderes geht.
33:04
Ich finde es ganz merkwürdig.
33:05
Also jemand, der sie unter Druck gesetzt hat, meinst du?
33:08
Ja, irgendwie sowas.
33:11
Profi-Einbrecher, die durch einen Lichtschach kommen und Kabel aus der Wand reißen, also genau vorbereitet sind, die gehen doch nicht ein zweites Mal in ein Haus, wo sie nach heutigem Stand 450 Euro rausholen. Das ist doch komisch. Dann sage ich doch, okay, ich suche mir das nächste Haus, wo ich noch, keine Ahnung, eine teure Stereoanlage mitnehme oder so, oder? Also sehr seltsam. Ja.
33:37
Jedenfalls hat sie nicht die Polizei informiert.
33:40
Und das war ein fataler Fehler, wie wir gesehen haben, denn Heikes Mörder kommt ja zwei Wochen später auf genau demselben Weg in ihr Haus wie dieser Dieb oder die Diebe der 900 D-Mark.
33:51
Und auch der Polizei drängt sich natürlich der Gedanke auf, dass der oder die Täter, die schon zwei Wochen vorher bei ihr im Haus waren und sie jetzt letztendlich ermordet haben, ein und dieselbe Person oder Personen sind.
34:05
Die Ermittlungen in Dortmund kommen zunächst nicht voran. Es gibt immer noch keine Zeugen, keine Tatwaffe, keine Fingerabdrücke und kein eindeutiges Motiv. Jede Spur scheint ins Leere zu führen. Doch dann kommt plötzlich doch wieder Bewegung in den Fall. In Frankreich wird nämlich am 29. Februar, also vier Tage nach dem Mord an Heike, ein roter Ford Fiesta gefunden, und zwar auf der Raststätte an der Autobahn A10 zwischen Paris und Orléans.
34:35
Der Tank ist leergefahren, die Kennzeichen sind abmontiert. Und was den Polizeibeamten in Frankreich sofort auffällt? Der Innenraum des Wagens wurde äußerst gründlich gereinigt. Zunächst ist nicht klar, wem der Wagen gehört. Erst die Fahrgestellnummer bringt die französischen Behörden auf die richtige Spur. Das Fahrzeug stammt aus Dortmund.
35:00
Als die Ermittler aus Dortmund den Wagen kurze Zeit später untersuchen, ist sofort klar, es handelt sich um Heikes Ford Fiesta.
35:08
Ihre Mörder sind also nach der Tat mit Heikes Wagen geflohen und haben ihn dann schließlich in Frankreich an dieser Raststätte zurückgelassen.
35:17
Doch die Ermittler finden auch in dem Wagen nichts, das zu den Tätern führen könnte. Keine Fingerabdrücke, keine persönlichen Gegenstände, keine verwertbaren Spuren. Die Mörder von Heike scheinen alles beseitigt zu haben, was ihnen hätte gefährlich werden können.
35:32
Und es ist genau wie in der Wohnung von Heike. Die Täter haben nichts zurückgelassen, nichts, was die Ermittler auf ihre Spur bringen könnte.
35:39
Der Innenraum des Roten Ford Fiesta wird nun von der Spurensicherung vollständig abgeklebt. Jeder Zentimeter wird mit Klebefolie gesichert, die Sitzflächen, die Lehnen und die Bereiche dazwischen.
35:53
Das ist wirklich eine Sisyphus-Arbeit. Das muss man sich so vorstellen, als würde man mit einem riesigen Tesafilmstreifen über die Oberflächen gehen. Die Klebefolie nimmt dabei selbst kleinste Partikel und Spuren auf, die mit bloßem Auge oft gar nicht zu erkennen sind. Anschließend werden all diese Folien dann einzeln gesichert, beschriftet und im Labor untersucht.
36:15
Die Ermittler wollen nichts dem Zufall überlassen und jede noch so kleine Spur sichern.
36:21
Damals geht es vor allem darum, textile Mikrofasern und andere kleinste Partikel zu finden, die möglicherweise etwas über den Täter verraten könnten. Doch die Auswertung der Klebefolien im Labor bringt keine entscheidenden Erkenntnisse. Auf diesen Klebestreifen lässt sich nichts finden, was die Kriminalpolizei auf die Spur der Täter führen könnte.
36:43
Auch Heikes Leiche und ihre Kleidung wurden damals in demselben Verfahren wie der Innenraum des Fahrzeugs vollständig abgeklebt, genau wie große Teile des Tatortes. Die Spurensicherung arbeitet akribisch und sichert auch hier kleinste Partikel, Fasern und andere mögliche Spuren mit Klebefolien. Doch die anschließende Untersuchung im Labor bringt 1991 keine verwertbaren Ergebnisse.
37:11
Ja, die Ermittlungen stocken und von den Tätern fehlt weiterhin jede Spur. Die Kriminalpolizei ermittelt noch, aber im Grunde ist schon jetzt klar, dass ohne Fingerabdrücke, ohne Zeugen, ohne die Tatwaffe und ohne ein bekanntes Motiv kaum eine Chance besteht, diesen Fall aufzuklären.
37:30
Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, welche Bedeutung diese unscheinbaren Folienstreifen später noch bekommen werden.
37:37
DNA-Analysen sind 1991 zwar schon bekannt, aber das Material, das die Ermittler im Fall Heike sichern, das reicht nicht aus für die damaligen Untersuchungsmethoden. Es liefert kein Ergebnis.
37:50
Doch auf diesen Klebefolien verbirgt sich eine Spur, die die Ermittler damals noch nicht erkennen können. Die Mitarbeiter der Spurensicherung und der Sonderkommission ahnen nicht, was für einen brisanten Hinweis sie da in ihren Folien gesichert haben.
38:09
Die Klebefolien werden als Asservate gesichert und anschließend in amtliche Verwahrung genommen. Sie werden eingelagert.
38:17
Nun gibt es nur noch diese eine Chance, darauf zu vertrauen, dass die Zeit nicht gegen die Ermittler arbeitet, sondern irgendwann für sie.
38:24
Ja, also eigentlich haben sie damals darauf gehofft, dass der Fortschritt da neue Erkenntnisse bringen könnte. Sie haben sozusagen auf ihre Nachfolger gehofft. Deswegen hat man das auch wirklich archiviert so.
38:39
Also im Prinzip werden Coldcast wie so Staffelstäbe weitergegeben. Fakt ist, er wird auf keinen Fall irgendwo liegen gelassen, der Stab.
38:49
Aber jetzt wird der Stab einmal kurz zur Seite gelegt.
38:52
Ja, der Fall Heike K. wird Ende 1991 geschlossen. Die Ermittlungen haben keine Antwort darauf geliefert, wer Heike getötet hat. Es gibt keine Spur, die noch verfolgt werden könnte und keinen Hinweis, der zu den Tätern führt. Der Fall wird zum Cold Case. Und nun vergehen die Jahre. Viele Jahre. Es sind Jahrzehnte. Für Heikes Eltern Hans und Helene bedeutet das, sie müssen mit dem Unfassbaren weiterleben. Mit der Trauer um ihre Tochter.
39:23
Mit der Leere, die ihr Tod hinterlassen hat. Mit Erinnerungen an einen Menschen, der von einem Moment auf den anderen herausgerissen wurde und nicht mehr da ist.
39:34
Und vor allem mit Fragen. Warum musste Heike sterben? Und wer hat ihr das angetan?
39:41
Ja, und diese Ungewissheit, die ist natürlich für Eltern kaum zu ertragen. Was anderes fällt mir da nicht ein in der Beschreibung. Wir haben im Rahmen von Spurlos ja mit sehr vielen Angehörigen in ähnlichen Fällen gesprochen. Und dieser Schmerz und der Verlust, der bleibt immer.
39:57
Aber es fällt auf, solange ein Fall ungeklärt ist, gibt es eben diese quälenden Fragen, wer hat das getan? Und da würde man sich vielleicht als Unbeteiligter manchmal erst oft so fragen, ja, aber ist das wirklich so eine Kernfrage, weil die Trauer, die bleibt ja so oder so. Könnte man ja erst mal denken, ja, die Trauer bleibt, aber Aber ich glaube, was man da immer spürt bei Eltern oder bei Verwandten, ist dieses Gefühl, warum darf dieser Täter nach dieser Tat an meinem geliebten Menschen unbehelligt sein Leben weiterführen?
40:40
Vielleicht sogar mit seiner Familie und mit Freunden. Und mein Kind oder mein Mann, jedenfalls das Opfer, darf das nicht. Das kann das nicht mehr.
40:49
Und deswegen ist Klärung auch so wichtig.
40:54
Ja, Heikes Freunde, Bekannte, ihre Kollegen und ihre Nachbarn, also Menschen, die sie gekannt hatten, die fragen sich in all den Jahren auch oft, ob sie etwas hätten bemerken können, ob es ein Zeichen gab, einen Hinweis, etwas, das damals niemand richtig einordnen konnte. Aber auch darauf gibt es keine Antwort. In all den Jahren öffnen immer wieder junge neue Ermittler die Akten des Falls. Sie lesen, was ihre Vorgänge herausgefunden haben, sie prüfen alte Spuren und und suchen in den Unterlagen nach dem einen Detail, das vielleicht übersehen wurde.
41:26
Aber es gibt nichts, das den entscheidenden Durchbruch bringt. Kein Hinweis, der den Täter eindeutig identifizieren würde, und keine Spur, die erklären könnte, was in dieser Nacht vom 25. Februar 1991 wirklich geschehen ist. Und so werden die Akten dann immer wieder geschlossen.
41:45
Die Jahre vergehen. Heikes Eltern warten weiter. Sie hoffen, dass die Ermittlungen irgendwann die Wahrheit ans Licht bringen. Und dass endlich jemand die Namen der Menschen nennen kann, die ihre Tochter getötet haben. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Und Heikes Eltern sterben schließlich, ohne diese Antworten bekommen zu haben.
42:07
Sie sterben, ohne zu wissen, wer für dieses grausame Verbrechen verantwortlich ist und ohne Gewissheit darüber, ob die Mörder ihrer Tochter jemals gefunden oder zur Verantwortung gezogen werden.
42:21
Wie gesagt, Mord verjährt nicht und auch nicht in den Köpfen der Ermittler. Das ist eine emotionale Geschichte. Die Ermittler, die sind ja so tief in diesem Fall drin. Und die haben ja auch immer eine enge Anbindung an die Angehörigen. Und wenn die Angehörigen das nicht mehr mitbekommen, ist das natürlich wirklich eine sehr traurige Sache.
42:39
Kann ich absolut nachvollziehen. Ich finde das auch immer besonders schlimm. Es trifft mich im Herzen diese Fälle, wo vor allem Eltern noch nicht mal noch Antworten bekommen, was eigentlich passiert ist und wer es war. Finde ich ganz, ganz schlimm. Und ja, eben Ermittler, die da so drin sind, die wissen, dass hinter jedem dieser ungeklärten Fälle eine Familie steht, die seit Jahren eben auf diese Antworten wartet.
43:06
Also dieser Fall ist auch 30 Jahre später einfach noch nicht vergessen. Die alten Spuren sind noch da und mit den Jahren kommen immer mehr kriminaltechnische Möglichkeiten hinzu, beziehungsweise werden ja auch immer feiner geworden.
43:23
Die Ermittler und Ermittlerinnen sind natürlich immer up to date, was die Forensik angeht, die Kriminalforensik, die Spurenanalyse, Spurenauswertung. Wenn es was Neues gibt, dann wird immer geguckt, haben wir vielleicht etwas, was wir jetzt nutzen können, was wir dann zum Landeskriminalamt schicken können, was ausgewertet wird.
43:40
Im Jahr 2023 stellen Wissenschaftler ein neues Verfahren zur Analyse sogenannter Trace-DNA vor. Dabei geht es um winzigste DNA-Spuren. Sie sind so winzig und so gering, dass die bisherigen Untersuchungsmethoden daraus oft kein verwertbares DNA-Profil gewinnen konnten. Doch jetzt können sie untersucht werden und damit eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Und damit bekommen plötzlich auch die alten Klebefolien eine neue Bedeutung. Jetzt stellt sich eine entscheidende Frage. Könnte ausgerechnet auf diesen unscheinbaren alten Folien noch eine Spur verborgen sein, die den Ermittlern bis jetzt, bis zur Einführung dieses völlig neuen Verfahrens, nicht zugänglich war?
44:21
Die Ermittler der Polizei Dortmund und die zuständige Staatsanwaltschaft entscheiden nun gemeinsam. Die alten Klebefolien sollen noch einmal analysiert werden. Außerdem die Partikel, die sich unter Heikes Fingernägeln befunden hatten. Ein Telefonkabel aus ihrer Wohnung, das in der Tatnacht herausgerissen worden war. Und auch ein Werkzeug, nämlich der Meißel, mit dem die Täter die Türen aufgebrochen hatten. All das wird an das Landeskriminalamt überstellt. Und nun heißt es warten.
44:51
Kurze Zeit später kommt die Nachricht aus dem Landeskriminalamt. Die Nachricht, auf die die Ermittler gehofft hatten, mit der nach 32 Jahren aber vielleicht auch nicht mehr viele gerechnet hatten. Die alten Klebefolien konnten tatsächlich ausgewertet werden. Denn sie enthalten minimale Spuren von brauchbarer DNA. Erst jetzt können sie quasi ausgelesen werden. Man könnte fast sagen, sie geben jetzt endlich ihr Geheimnispreis.
45:19
Ja, das ist schon irre, nach so viel Zeit, dass man damals nicht wusste, was man da in Händen hält. Und die Täter haben sich wahrscheinlich jahrzehntelang in Sicherheit geglaubt und das könnte sich jetzt ändern. Das Ergebnis liegt vor und es ist unglaublich, denn die DNA auf diesen Klebefolien und auf den verschiedenen anderen Gegenständen Stammt von zwei Personen. Das hatte man ja schon gedacht. Aber sie stammt von einem Mann. Und jetzt kommt der nächste Hammer und von einer Frau.
45:52
Das ist zweifelsfrei festgestellt.
45:55
Ja, und mit einer Frau hatte niemand gerechnet.
46:00
Waren die beiden ein Paar, also ein Paar, das gemeinsam schwere Verbrechen begeht? Das ist ja keineswegs unbekannt. Das gibt es ja immer wieder mal, solche Verbrecherpärchen, in denen Männer und Frauen gemeinsam zu Täter wurden. Oft aus so einer Beziehung heraus, aus so einer komischen, toxischen, gegenseitigen Abhängigkeit.
46:24
Oder oft auch, weil in den meisten Fällen jedenfalls der Mann die Frau in die Tat hineinzieht.
46:30
Aber das führt jetzt, glaube ich, an der Stelle auch zu weit. Wir wissen ja noch gar nichts über diese beiden. Aber es ist schon, da hat man nicht dran gedacht.
46:40
Aber der Fall ist noch nicht gelöst. Denn wenn die beiden Täter, dieser Mann und diese Frau, nie polizeilich aufgefallen sind, dann wurden ihre DNA-Profile möglicherweise auch nie in einer Vergleichsdatenbank erfasst. Und genau hier liegt das Problem.
46:57
Die Ermittler haben zwar jetzt ein DNA-Profil, aber noch keinen Namen dazu. Und ohne eine passende Vergleichsprobe in der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes sind diese Profile im Grunde wertlos.
47:13
Und wenn man jetzt ja so weiter spekuliert und sich vorstellt, da steckt irgendein krankes Beziehungsmotiv dahinter oder so, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit ja auch eigentlich. Ja.
47:27
Das bedeutet, nur wenn das Profil irgendwo bereits erfasst ist, kann eben ein Treffer entstehen. Doch dann passiert genau das, worauf die Ermittler gehofft haben. Eine der DNA-Spuren lässt sich einer Person zuordnen.
47:44
Bei der zweiten Spur sieht es zunächst anders aus. Der Abgleich in Deutschland bleibt ohne Ergebnis. Doch die Ermittler geben nicht auf. Sie weiten die Suche aus und schließlich führt die Spur über die Grenze nach Österreich. Dort findet sich in der Datenbank tatsächlich auch ein passender Eintrag.
48:06
Beide Angeklagten wurden dann nacheinander identifiziert. Tatsächlich war es dann so, dass Peter W. in Österreich aufgefallen war mit Straftaten, mit Betäubungsmittelstraftaten und dass wir da einen Treffer hatten. Und bei der Petra G. hier aus Nordrhein-Westfalen hatten wir auch einen Treffer, die ebenfalls ja auch schon polizeilich in Erscheinung getreten war.
48:31
Die beiden Tatverdächtigen sind identifiziert und die Ermittler bereiten den Zugriff vor. Im Januar 2024 ist es soweit. Der männliche Tatverdächtige Peter W. wird verhaftet. Er versucht noch zu fliehen, aber die Polizei kann ihn rechtzeitig festnehmen. Die Frau, also Petra G., wird in der Wohnung ihres Ex-Mannes aufgegriffen und festgenommen. Beide werden dem Haftrichter vorgeführt und bis zum Prozessbeginn in Untersuchungshaft genommen.
49:01
Wir haben bei uns Ermittler, die seit zehn Jahren in Pension waren, die dann von einem Kollegen den Anruf bekommen, dein Fall ist geklärt und dann laufen manchmal auch Tränen. Weil ein Ermittler, der in Pension geht bei der Mordkommission mit einem ungelösten Fall, das verjährt nicht. Wie gesagt, Mord verjährt nicht und auch nicht in den Köpfen der Ermittler. Das ist eine emotionale Geschichte.
49:25
Zwei Täter, also ein Mörderpärchen, zwei brutale Verbrecher, die 33 Jahre, nachdem sie eine junge Frau getötet haben, gefasst werden. Das ist wirklich unglaublich. 33 Jahre lang haben sie sich in Sicherheit geglaubt und jetzt holt sie ihre grausame Tat wieder ein. Wir wissen wenig über die beiden.
49:47
Peter W. ist 60 Jahre alt, als er verhaftet wird. Also das bedeutet, dass er zum Zeitpunkt der Tat 27 Jahre alt war.
49:55
Ja, Peter W. hat sich zunächst geweigert, eine Speichelprobe für den erneuten DNA-Abgleich abzugeben. Ja, wahrscheinlich hat er zu dem Zeitpunkt bereits geahnt, was bei der dementsprechenden Untersuchung dann zum Vorschein kommt.
50:10
Die zweite Verdächtige, also Petra G., ist 62 Jahre alt. Sie stammt nicht aus Dortmund, sie ist vorbestraft. Sie gibt zwar bereitwillig eine Speichelprobe ab, aber sie behauptet nie in Dortmund gewesen zu sein. Petra G. ist Mutter von erwachsenen Kindern und für die bricht jetzt eine Welt zusammen, als sie hören, was der eigenen Mutter vorgeworfen wird.
50:34
Ja, und Petra G. 's Kinder versuchen nun, ein Alibi für die Tatnacht vor 33 Jahren zu rekonstruieren. Petra G. 's älteste Tochter hatte nämlich an diesem Tag Geburtstag. Sie wurde an diesem 25. Februar, als Heike in ihrer Wohnung erstochen wurde, neun Jahre alt. Und die Kinder behaupten nun, ihre Mutter sei zu Hause gewesen, um genau diesen Geburtstag mit ihrer Familie zu feiern. Aber beweisen lässt sich das nicht.
51:00
Und ein solches Verbrechen fordert eben viele Opfer. An erster Stelle steht Heike, die junge Frau, deren Leben so gnadenlos und so brutal beendet wurde. Dann sind da natürlich ihre Eltern, die Familie, die Freunde, die jahrelang mit dem Verlust der Ungewissheit und den offenen Fragen, vor allem nach dem Warum auch, leben mussten.
51:23
Doch ein solches Verbrechen hinterlässt auch auf der anderen Seite Spuren. Die erwachsenen Kinder zum Beispiel von Petra G., die müssen sich ja jetzt fragen, ob sie ihre Mutter, die sie wahrscheinlich lieben und zu kennen glaubten, tatsächlich gekannt haben. Wer ist dieser Mensch? Ein solches Verbrechen endet nicht in dem Moment, in dem es passiert. Es zieht Kreise, es hinterlässt Spuren. Manchmal sogar bei Menschen, die erst Jahrzehnte später mit den Folgen konfrontiert werden.
51:53
Auch so ein Geheimnis über so lange Zeit für sich zu behalten, also sich niemandem auch anzuvertrauen, zeugt schon auch von großer Kaltblütigkeit, finde ich.
52:05
Der Beginn des Gerichtsprozesses wird für den Juli 2024 angesetzt.
52:11
Die Ermittlungen haben eine Vielzahl von Spuren zutage gefördert, die die beiden Angeklagten schwer belasten. Die DNA-Spuren von Petra G. und Peter W. wurden nach den bisherigen Erkenntnissen unter Heikes Fingernägeln, an ihrer Kleidung, an dem herausgerissenen Telefonkabel, an Werkzeugen sowie in dem roten Ford Fiesta gefunden.
52:32
Es scheint also klar, die beiden sind die Täter.
52:35
Ja, dass Petra G. und Peter W. am Abend des 25. Februar 1991 Heike in ihrer Wohnung getötet haben, daran gibt es schon vor Prozessbeginn kaum einen Zweifel. Aber rechtlich ist noch nichts entschieden. Genau, es ist ja vor allem auch völlig unklar, wer hat da was zur Tat beigetragen. Genau, und darüber hinaus, wenn das Gericht zu dem Schluss käme, dass es sich damals um Totschlag gehandelt hätte, dann wäre die Tat jetzt verjährt und die beiden Täter würden das Gericht straffrei verlassen.
53:04
Nach 33 Jahren entscheidet also eine zentrale juristische Frage über den Ausgang des Verfahrens. War es Mord oder war es Totschlag? Davon könnte abhängen, ob die Tat jetzt noch bestraft werden kann.
53:20
Vor dem Landgericht in Dortmund beginnt nun der Prozess gegen Petra G. und Peter W. Aber wer sich Antworten erhofft auf das, was in der Nacht des 25. Februar 1991 in Heike K.'s Haus geschehen ist, der wird enttäuscht. Peter W. spricht überhaupt nicht. Er verweigert die Aussage. Er wirkt unbeteiligt und gleichgültig, so schildern es viele, die dem Prozess beiwohnen. Auch Petra G. weigert sich auszusagen. Sie schüttelt oft den Kopf und weint, aber sie behauptet nach wie vor noch nie in ihrem Leben in Dortmund gewesen zu sein.
53:57
Ich kenne die getötete Frau nicht und weiß nicht, wo sie wohnte. Ich war erschrocken, als ich von ihrem Tod gehört habe. Das sind die einzigen Worte zu den Tatvorwürfen. Aber die Spuren am Tatort erzählen eine ganz andere Geschichte. Die DNA vom Petra G. wurde unter anderem an dem herausgerissenen Telefonkabel und unter den Fingernägeln sowie an der Schulter von Heike gefunden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft waren die beiden Verdächtigen an diesem Abend über einen Licht- bzw. Kellerschacht von der Gartenseite aus in den Bungalow von Heike eingedrungen.
54:34
Ihr Ziel sei zunächst gewesen, Wertgegenstände zu stehlen.
54:39
Peter W. schlug ein Loch in das Blatt der Kellertüre. Seine Komplizin riss dann das Telefonkabel aus der Wand. Wer von beiden danach in der Wohnung welche konkrete Handlung ausführte, das lässt sich nach 33 Jahren nicht mehr zweifelsfrei feststellen.
54:57
Dann kam Heike K. gegen 20 Uhr früher als erwartet nach Hause. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft änderte sich in diesem Moment die Situation grundlegend. Die Angeklagten hätten spontan den gemeinsamen Entschluss gefasst, die völlig überraschte 28-Jährige zu töten.
55:16
Freunde und Verwandte von Heike sitzen an vielen Verhandlungstagen im Gerichtssaal. Sie verfolgen jeden Schritt und jedes Detail. Für sie ist das Verfahren nicht nur die juristische Aufarbeitung eines alten Falls. Es geht um Heike und um die Frage, was ist in jener Nacht wirklich passiert. Und es geht um die Frage, wie bewertet das Gericht diese Tat, als Mord oder als Totschlag. Werden die beiden Angeklagten zu einer Haftstrafe verurteilt oder werden sie den Gerichtssaal als freie Menschen verlassen?
55:46
Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. Am 2. März 2025 wird das Urteil verkündet. Der vorsitzende Richter fasst den Tathergang noch einmal zusammen und schildert Heikes Situation in der Tatnacht. Ihre Arglosigkeit wurde ausgenutzt. Deshalb war sie wehrlos, erklärt er. Damit sieht die Kammer das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Nachdem Heike in ihrem Nähzimmer brutal erstochen worden war, nahmen die Täter 119 D-Mark an sich, die sie in ihrem Portemonnaie fanden und verließen den Tatort.
56:27
Auch dieser Umstand spielt nun für die rechtliche Bewertung der Tat eine entscheidende Rolle. Die Kammer sieht in dem Vorgehen ein Handeln aus Habgier, ein weiteres Mordmerkmal.
56:39
Um 14.25 Uhr verkündet der vorsitzende Richter das Urteil. Die Angeklagten, sagt er, werden wegen Mordes jeweils zu einer lebenslangen Haft verurteilt.
56:56
Da muss man erstmal durchatmen. Ja.
56:58
Ja, eine Verurteilung wegen Mordes, eine lebenslange Haftstrafe. Was aber unter anderem nicht geklärt werden konnte, war, woher die Täter von dem Lichtschacht gewusst haben, der hinunter in den Keller geführt hat.
57:10
Ja, und es konnte auch nicht geklärt werden, in welchem Verhältnis die beiden Angeklagten zu Heike standen. Also haben sie sie vorher gekannt, haben sie sie ausgekundschaftet, haben sie ihren neuen Bekannten gekannt, haben sie irgendeine Information erhalten, wie man in die Wohnung bzw. in das Haus gelangen kann.
57:30
Und in welchem Verhältnis standen die beiden Täter zueinander? Also nur die beiden wissen und schweigen darüber, nur die wissen, was sie da für eine schreckliche Verabredung getroffen haben.
57:44
Und eventuell gab es noch eine dritte Person, die in der Wohnung war. Es wurden auf den Klebebändern unklare DNA-Spuren gefunden, die nicht zugeordnet werden konnten.
57:52
Und der Richter hat dazu gesagt, es ist nicht klar, ob ein Dritter an dem Mord beteiligt war. Klar ist aber, dass die beiden Angeklagten beteiligt waren.
58:01
Ja, und ohne das jetzt an der Stelle schon emotional einzuordnen, dass sie beide die Aussage verweigert haben, so konnte natürlich auch nicht entschieden werden, wer hat welchen Anteil. Es könnte ja sein, dass einer...
58:18
der eigentliche Mörder war und dass es gar nicht eine gänzliche Mittäterschaft, so nennt man das ja hier, war, sondern dass der andere in Anfangszeichen nur, wie gesagt, in Anfangszeichen einen Beitrag geleistet hat. Also da gibt es ja ganz viele juristische Abgrenzungen, aber sie haben sich für das Schweigen entschieden und so sind sie eben, ich sage es jetzt mal umgangssprachlich, gemeinschaftlich des Mordes verurteilt worden. Also es sind viele Fragen offen geblieben Und trotzdem ergeht eben das Urteil, denn die Fakten für die Verurteilung, die sind eben nicht offen geblieben.
58:56
Und somit gibt es einen juristischen Abschluss dieses Falles, der so viele Menschen über so lange Zeit beschäftigt hat.
59:03
Ja, die Ermittler haben das möglich gemacht, weil sie nicht zulassen wollten, dass Heike zu einem Aktenzeichen wird und in Vergessenheit gerät im Archiv.
59:11
Ja, und auch übrigens, ohne dazu sehr ins Detail gehen zu wollen, es hat auch der Fortschritt möglich gemacht, der gerade im Moment von vielen ja auch sehr verteufelt wird, der aber auch viele Chancen bietet.
59:25
Das sieht man hier eindrucksvoll. Mord verjährt nie, hat Gunnar Wortmann gesagt, auch nicht in den Köpfen der Ermittler.
59:34
Die Kolleginnen und Kollegen von früher, die damals in Mordfällen ermittelt haben, die haben im Prinzip mit ihren Mitteln genauso gut gearbeitet wie die Kollegen heute. Das war alles richtig. Das war ein super Zusammenspiel quasi von alten und von neuen Ermittlern. Und nur so kann auch ein Cold Case dann gelöst werden.
59:50
Ja, dieser Mordfall wurde letztendlich geklärt und diese beiden Täter, dieses Mörderpärchen, die wurden zur Rechenschaft gezogen. Vielleicht wäre das Urteil auch noch anders ausgefallen, wenn sie geredet hätten, also wenn sie gestanden hätten, Verantwortung übernommen hätten, Reue gezeigt hätten. Aber das alles ist nicht passiert. Sie haben bis zum Schluss geschwiegen und sie haben keine Reue gezeigt.
60:16
Und erhalten beide dementsprechend die mögliche Höchststrafe für Mord. Ich empfinde es als gerechtfertigt. Wie empfindest du es?
60:26
Ja, ich empfinde es genauso.
60:30
Heike wäre heute 63 Jahre alt. Vielleicht wäre sie Mutter, vielleicht wäre sie Großmutter mittlerweile. Vielleicht hätte sie sich mit einem Dekorationsladen selbstständig gemacht. Das war immer so ein Traum von ihr. Durch diese Tat wurden all ihre Träume je beendet. Dass ihre beiden Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, ändert nichts daran, dass Heike, dass dieser Mensch fehlt.
60:58
Ja, was wir unbedingt auch noch erwähnen möchten, die Hartnäckigkeit dieser Ermittler über Jahrzehnte, über Generationen von Ermittlern hinweg, die ja letztendlich dieses Urteil möglich gemacht haben. Heike war eigentlich ein Cold Case. Aber das hat diese Ermittlergruppe nicht hingenommen und den Fall letztendlich geklärt. Und wir wollen sozusagen stellvertretend an dieser Stelle auch einmal Danke sagen für diesen unermüdlichen Einsatz und für die Beharrlichkeit.
61:33
Ich kann mir vorstellen, dass das ein Fall ist, der auch euch sehr bewegen wird. Es gibt da sicher noch einige Denkanstöße oder Meinungen von euch. Die könnt ihr uns natürlich gerne schreiben. Wir sind da sehr interessiert dran. Und zwar an info.spurlospodcast.de Genau.
61:53
Und weitere Informationen findet ihr in den Shownotes.
61:57
Silvi, ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken fürs Miterzählen. Ich danke dir.
62:01
Danke an euch fürs Zuhören. Bis ganz bald und passt aufeinander auf.
62:33
Jetzt kommt Werbung.
62:36
Der 7One Audio Podcast Tipp.
62:44
Hallo und herzlich willkommen bei Geschichten aus der Geschichte. Mein Name ist Richard. Und mein Name ist Daniel. Ja, und wir sind zwei Historiker, die sich hier Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte erzählen.
62:57
Wir erzählen kleinere Geschichten, die meist nicht in den Geschichtsbüchern stehen.
63:01
Genau, wir betten sie aber in einen Kontext ein und erklären dabei auch, wie die Welt, in der wir heute leben, zu der geworden ist, die sie ist.
63:10
Du, Richard, hast neulich zum Beispiel mal eine Geschichte erzählt von Inseln, die gar nicht existieren.
63:16
Korrekt. Oder du hast auch vor nicht allzu langer Zeit mal erklärt, wie das Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds entstand.
63:24
Und wir haben darüber gesprochen, wie es dazu kam, dass wir uns heute überall in Spiegeln betrachten können.
63:31
Genau so ist es. Jeden Mittwoch gibt es eine neue Folge. Und wer neu dabei ist und viel Zeit mitbringt, kann sich bereits durch 400 veröffentlichte Folgen graben.
63:41
Genau so ist es.
63:42
Geschichten aus der Geschichte findet man unter geschichte.fm und überall, wo es Podcasts gibt.
63:56
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